Christian Morgenstern Jugendhilfe
In unseren zwei dezentralen Wohngruppen mit jeweils sechs Plätzen leisten wir auf Grundlage des Achten Buches Sozialgesetzbuch (SGBVIII) stationäre Hilfe und Erziehungshilfe für Jugendliche und junge Erwachsene. Darüber hinaus bieten unsere Häuser auch jungen Menschen ein zu Hause, die als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind.

Das Konzept

Das Konzept der Wohngruppen verfolgt im Kern das Ziel, die Jugendlichen soweit wie möglich auf eine selbstständige Lebensführung vorzubereiten, ihnen alltägliche, kulturelle und soziale Kompetenzen zu vermitteln und sie bei der Berufsvorbereitung und der Berufsfindung zu unterstützen. Dazu gehört auch eine den Bedürfnissen angepasste Konfrontation mit der Realität außerhalb der von uns gebotenen geschützten Bereiche, in welchen unsere Jugendlichen gegebenenfalls aufgrund ihrer Besonderheiten entsprechend anecken können. Die pädagogische Basis hierfür ergibt sich auf Grundlage der Erziehungswissenschaft, der Sozialpädagogik, der anthroposophischen Heilpädagogik sowie der Waldorfpädagogik.

Die Jugendlichen werden in den Wohngruppen außerhalb der Schul- und Arbeitszeiten von entsprechend qualifizierten Fachkräften das ganze Jahr über in Tag- und Nachtschichten betreut. Die Betreuung erfolgt auf der Grundlage einer individuellen, in der Regel halbjährlichen Hilfeplanung, die mit allen Beteiligten, vor allem aber mit den Jugendlichen selbst, abgestimmt ist. Elterngespräche und Elterntage sind - sofern möglich und gewollt - Teil des pädagogischen Konzeptes und ermöglichen ein besseres Verständnis der Jugendlichen­biografie sowie eine festere Verankerung der pädagogischen Prozesse und Entwicklungen. 14-tägige Heim­fahrt­wochenenden sowie individuelle Ferienregelungen dienen sowohl der Kontaktpflege, als auch dem Erhalt der Anbindung an die Herkunftsfamilie.

Freizeitaktivitäten, Gruppenfahrten und geschlechter­spezifische Angebote sowie Elterncafés oder Jahresfeiern fördern den Zusammenhalt in den Wohngruppen und darüber hinaus. Durch das Zusammenleben unserer deutsch­sprachigen Jugendlichen mit den uns anvertrauten minderjährigen Flüchtlingen ergeben sich neben den alltäglichen Möglichkeiten des Spracherwerbes für letztere vor allem auch kulturelle Lernfelder, die der Förderung der gegenseitigen Toleranz und Akzeptanz dienlich sind.

Kooperationen und externe Angebote

Neben unserem Schul- und Einrichtungsarzt besteht Kontakt zu zahlreichen regionalen (Fach-)Ärzten, niedergelassenen Therapeuten in Reutlingen und Tübingen sowie zur Kinder- und Jugendpsychiatrie in Tübingen oder der Filderklinik in Stuttgart. Aus den individuellen Jugendlichen­betrachtungen heraus ergeben sich zudem neue Kontakte zu externen pädagogischen, therapeutischen oder psychiatrische Anbietern, zum Beispiel von sozialen Kompetenz- und Kommunikationstrainings, tiergestützten Therapieangeboten oder Anti-Aggressions- und Fairnesstrainings.

Das Künstlerische und die Sinnesschulung spielen innerhalb der Waldorfpädagogik und der anthroposophischen Heilpädagogik eine tragende Rolle. Neben dem schulischen Kunstunterricht bietet eine Kunsttherapeutin in den Wohngruppen verschiedene malerische, grafische und bildhauerische Techniken für die Jugendlichen in Einzelarbeit oder in Kleingruppen an. Auch unser ehrenamtlich aktiver Musiklehrer bietet über den Schulunterricht hinaus etwa einmal wöchentlich zusätzlichen Musikunterricht (Klavier, Gitarre, Geige, Flöte etc.) in den Wohngruppen an.

Unsere Außenwohngruppen

Achalmhaus (Pfullingen)

Das dreistöckige Haus im Norden Pfullingens hat einen großen Garten, welcher unter anderem Platz für ein kleines Gewächshaus bietet. Im Keller befinden sich ein Hobbyraum mit Tischkicker, Dartscheibe und Tischtennisplatte. Das Achalmhaus verfügt über sieben Jugendlichenzimmer und lässt sich bei Bedarf räumlich in drei separate Wohneinheiten mit eigenen Küchen und Bädern teilen, was insbesondere bei der Verselbstständigung von Jugendlichen bzw. deren allmählicher Ablösung von der Kerngruppe von Vorteil ist. Nur wenige Gehminuten entfernt befinden sich ein frei zugänglicher Fußballplatz und das Pfullinger Hallenbad. Auch die Anbindung an die Reutlinger Innenstadt ist durch die sehr guten Busverbindungen stets gegeben.

Käthe-Kollwitz-Haus (Reutlingen-Degerschlacht)

Das in ländlicher Umgebung liegende Käthe-Kollwitz-Haus ist ein ehemaliges Bauernhaus, welches Mitte der 90er Jahre eigens als familienersetzende Wohngruppe für Jugendliche gemäß unserer Vorstellungen umgebaut und eingerichtet wurde. Es verfügt über acht Jugendlichenzimmer, von welchen zwei auf Wunsch auch als Doppelzimmer genutzt werden können. Ein großes, offenes Wohnzimmer sorgt für eine heimelige Atmosphäre und ein kleiner Garten sowie ein Schuppen mit Werkstatt können für gärtnerische oder handwerkliche Tätigkeiten genutzt werden. Außerdem befinden sich in unmittelbarer Umgebung ein offenes Sportgelände, sowie schöne Feld- und Wanderwege.

 

Die jungen Menschen im Alter von 15 bis 21 Jahren werden von einem qualifizierten, engagierten und multidisziplinären Team aus dem Bereich Sozialpädagogik, Jugend- und Heimerziehung sowie Heilerziehungspflege in einer familiären Atmosphäre zu jeder Tag- und Nachtzeit betreut.