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Chronik

der Christian Morgenstern Schule und Jugendhilfe

1976

Gründung des Vereins für Erziehungshilfe e.V.

1977

Eröffnung der Schule. Bis 1987 ist die Christian Morgensternschule Gast bei verschiedenen Schulen in der Region, die ihr die notwendigen Unterrichtsräume zur Verfügung stellen.

1981

Der Jugendhilfebereich entsteht. Unsere erste Wohngruppe, das Achalmhaus, wird eröffnet.

1987

Das eigene Schulhaus in Reutlingen-Rommelsbach wird gebaut. In den folgenden Jahren kontinuierlicher Ausbau der stationären Wohngruppen.

1996

Beginn der ambulanten Betreuung ISE (Intensive Sozialpädagogische Einzelbetreuung).

1998

Praxisstelle für die Ausbildung zum/zur Heilerziehungspfleger/in am Karl Schubert Seminar.

1999

Beginn der Arbeit an Qualitätsentwicklung und -sicherung.

2000

Eröffnung des Zentrum "Echazstraße" für Betreutes Jugendwohnen/ ISE in der Reutlinger Innenstadt.

2001

Praxisstelle für die Ausbildung zum/ zur Jugend- und Heimerzieher/in am Seminar am Michaelshof.

2003

Hauskauf in Pfullingen - Das Achalmhaus, unsere älteste Wohngruppe, zieht um.

2004

Praxisstelle für das Fachschulstudium
Heilpädagogik am Rudolf Steiner-Seminar Bad Boll.

2005

Praxisstelle für das Studium der Sozialpädagogik an der Berufsakademie Stuttgart.

2006

Wir erweitern unsere Konzeption: Im Sommer Eröffnung der "Balancegruppe" für Mädchen mit Essstörungen.

2007

In der Friedrich Ebertstraße eröffnen wir unsere Verselbstständigungsgruppe für Auszubildende. Wir feiern das 20-jährige Jubiläum unseres Schulbaus.

Eine neue Schule entsteht

1973/1974 Die Anfänge

Den Anfang machte eine scheinbar unbedeutende Frage innerhalb eines Architektenkreises am Goetheanum um bestimmte Ansätze im Bereich behinderter Menschen. Doch die Zeit ist knapp und die Sache verschiebt sich. Dann kommt 1974 die große Rezession - scheinbar gerade recht dafür.

Das Modell des Daches - von vielen Händen gen Himmel gehoben

Eine zufällige Begegnung mit einem Einrichtungsleiter ermöglicht ein mehrwöchiges Praktikum mit Jugendlichen. Es gerät zu einer Lebens- und Sinnkrise. Das Praktikum ging seinem Ende zu. Die Arbeit mit den Jugendlichen zeigte erste Früchte durch mehr Vertrauen, etwas weniger Aggressivität, auch die Umgangssprache hatte sich ein wenig verändert: die Jugendlichen hatten sich auf die neue Situation eingelassen, zuerst zögerlich, allmählich erwartungsvoll. Unverzeihlich wäre es gewesen, den begonnenen Prozess abzubrechen und damit erneut zu bestätigen, dass auf Erwachsene kein Verlass ist.
Der Entschluss für eine Weiterarbeit mit den Jugendlichen fiel nicht leicht, doch war er eindeutig, weil notwendig. (…)

1975 Erste Planungen

Erste Planungen für die Gründung einer eigenen Einrichtung. Die Arbeitsverwaltung signalisiert zunächst ihre Bereitschaft, die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Dann trifft Ende des Jahres die Hiobsbotschaft ein, dass alle Mittel für Neueinrichtungen aufgrund der anhaltenden Rezession gestrichen werden.

War dies als Wink aufzufassen, die Sache auf sich beruhen zu lassen? Das Überschlafen verhalf zu dem Entschluss, die vorliegenden Planungsunterlagen dem Oberschulamt zu übergeben mit der Frage ihrer Verwendbarkeit. Dem Urteil des uns gut bekannten Vizepräsidenten wollten wir die Entscheidung anheim stellen. Er folgte der Darstellung aufmerksam und erbat sich die Unterlagen für ein Gespräch beim Kultusministerium, das am Nachmittag stattfinden sollte über die Gründung einer Schulform für Jugendliche, auf deren Situation unsere Beschreibung genau zutraf. Am selben Abend gab der 2. Kultusbeamte in einem Telefonanruf grünes Licht: "Gründen Sie! Sie bekommen keine Auflagen, probieren Sie einfach, ob es geht!"

1976 Viele Unterstützer

Der Rohbau aus der VogelperspektiveEs fanden sich Freunde aus dem Bereich der Waldorfschule, welche bereitwillig den Schulverein gründeten. Die Suche nach geeigneten Mitarbeitern war schwierig. Noch schwieriger war es, geeignete Schulräume zu finden. Der Schuljahresbeginn 1976 war bereits verstrichen, als uns ein Telefonanruf erreichte: "Sie suchen Schulräume? Wir bauen ein neues Schulhaus für die Freie Evangelische Schule in Reutlingen. Wir können Ihnen für zwei Jahre nicht benötigte Unterrichtsräume vermieten". Es war der Vorsitzende des Schulvereins, Professor für Religionspädagogik an der Hochschule für Sonderpädagogik und offenbar der Waldorfpädagogik gewogen.

Zwei Vereinsmitglieder stellten die für die Einrichtung notwendigen Mittel zur Verfügung. Eine pensionierte Klassenlehrerin der Waldorfschule übernahm den sprachlichen Teil des Hauptunterrichts. Für die Holzwerkstatt und den Sportunterricht fand sich eine Persönlichkeit mit einschlägiger Qualifikation. Den hauswirtschaftlichen Bereich samt Unterrichtung und Mittagstisch für Schüler und Lehrer übernahm eine junge Hauswirtschaftsleiterin. Die Schulleitung wurde vom einzigen Berufsschullehrer im Land wahrgenommen, der eine Ausbildung zum Waldorflehrer vorweisen konnte und einmal wöchentlich von Stuttgart nach Reutlingen kam. Der Rest der Unterrichtsfächer einschließlich der internen Verwaltungsarbeiten wurde von mir abgedeckt. Die finanztechnische Beratung und Betreuung übernahm der fachmännisch erfahrene Vorstand des Vereins.

1977 Schuleröffnung

Der erste Schüler meldete sich am 12. Mai 1977. Ein junger Mann, ganz schwarz in Leder gekleidet und mit vielen Nieten, Nägeln und Ketten dekoriert, erklärte, er wolle in die neue Schule eintreten. Er wohne in der Nachbarschaft und habe von den Bauarbeitern erfahren, dass diese Schule eingerichtet wird.

Mit sieben Schülerinnen wurde die Schule im September 1977 eröffnet. Bis zum Ende des Schuljahrs lag die Anzahl weit über 20. Der Einzugsbereich hatte sich rasch über den Landkreis hinaus bis in die Region Stuttgart erweitert. Im Verlauf von wenigen Jahren suchten Schüler aus der ganzen Bundesrepublik um eine Aufnahme nach. Schulen, Jugendämter und Eltern machten sich kundig, tauschten gegenseitig Erfahrungen und Empfehlungen aus. Die Überzeugung erwies sich als richtig, dass Menschen, die uns suchen, uns auch finden werden.

Die wesentlichste Empfindung bleibt mir stets gegenwärtig: Es gibt keine menschliche Lebensform, die nicht warmes Interesse verdient, denn wirkliche Weiterentwicklung kann ohne den anderen Menschen nicht stattfinden. Die aus Freiheit, nicht aus Neigung entwickelte Liebe zum anderen Menschen gehört mit zum Schwierigsten, was wir heute zu leisten haben. Gleichzeitig aber auch zu dem, was unser Dasein am meisten bereichert.

Pia-Beatrice Hüttel